Seit Wochen und Monaten werde ich mit einer Flut an Hasskommentaren, Beleidigungen, Vorverurteilungen und Schuldzuweisungen konfrontiert, die mit einer sachlichen Diskussion längst nichts mehr zu tun haben. Bereits mehrfach habe ich darum gebeten, respektvoll zu bleiben, voreilige Urteile zu unterlassen und zunächst die laufenden Ermittlungen abzuwarten. Dennoch reißen die persönlichen Angriffe gegen mich nicht ab.
Auslöser hierfür ist der tragische Vorfall, bei dem ein Helfer schwer verletzt, mein Tiger Sandokan erschossen wurde und der Helfer später leider ebenfalls verstarb. Dieses Geschehen erschüttert mich bis heute zutiefst. Die genauen Umstände sind jedoch weiterhin Gegenstand laufender Ermittlungen und noch nicht abschließend aufgeklärt.
Zu den Folgen dieses tragischen Geschehens gehörte auch die anschließende Wegnahme des überwiegenden Teils meiner Tiger. Dabei handelt es sich jedoch um einen eigenständigen Sachverhalt, der die behördliche Bewertung meiner Tierhaltung betrifft und nicht mit den weiterhin laufenden Ermittlungen zu dem tragischen Vorfall vermischt werden darf. Beide Angelegenheiten hätten aus meiner Sicht getrennt betrachtet und bewertet werden müssen. Gerade deshalb halte ich die Wegnahme meiner Tiger für ungerechtfertigt sowie für tierschutz- und rechtswidrig.
Trotzdem werde ich täglich beleidigt, beschimpft, bedroht und für Dinge verantwortlich gemacht, die weder juristisch noch sachlich geklärt sind.
Viele erwarten von mir ausführliche Erklärungen zu dem tragischen Geschehen. Glauben Sie mir: Auch ich würde mich gerne umfassend gegen die zahllosen Schuldzuweisungen, Verleumdungen und öffentlichen Vorverurteilungen verteidigen, die ich seit Monaten über mich ergehen lassen muss. Doch solange die Ermittlungen andauern und das strafrechtliche Verfahren nicht abgeschlossen ist, werde ich mich bewusst nicht zu Einzelheiten äußern.
Umso erschütternder ist die Selbstverständlichkeit, mit der viele Menschen ihr Urteil längst gefällt haben. Mich als Mörderin, Tierquälerin oder Verbrecherin zu bezeichnen, mich lebenslänglich im Gefängnis sehen zu wollen oder mir ohne Kenntnis der Ermittlungsergebnisse die alleinige Schuld und Verantwortung zuzuschreiben, ist keine sachliche Auseinandersetzung. Es ist eine öffentliche Vorverurteilung.
In einem Rechtsstaat gilt die Unschuldsvermutung. Niemand darf so tun, als stünde das Ergebnis bereits fest. Jedem Menschen steht zu, dass zunächst die Ermittlungen abgeschlossen und die Tatsachen festgestellt werden, bevor ein Urteil gefällt wird. Nicht aufgrund von Vermutungen, Gerüchten, Aufhetzung oder Hass.
Was mich besonders erschüttert, ist nicht nur die Härte vieler Kommentare, sondern die Selbstverständlichkeit, mit der Menschen über einen anderen Menschen urteilen, ohne die Hintergründe zu kennen.
Ich frage mich ernsthaft: Ist den Verfassern überhaupt bewusst, was sie mit ihren Worten anrichten?
Menschen, die weder mich noch meine Tiere jemals kennengelernt haben, verbreiten Behauptungen und stempeln mich zur Tierquälerin oder Verbrecherin ab. Dabei werden Gerüchte so oft wiederholt, bis sie schließlich wie bewiesene Tatsachen behandelt werden.
Ein Beispiel sind die immer wieder verbreiteten Behauptungen, meine Tiger hätten in viel zu kleinen Anlagen, ausschließlich auf Beton und in kleinen Bauwagen gelebt, ohne Rückzugs-, Beschäftigungs- oder Bademöglichkeiten. Dabei wird unter anderem verschwiegen, dass den Tieren ein rund 900 Quadratmeter großer Außenbereich zur Verfügung stand. Die verbreitete Darstellung entspricht nicht den tatsächlichen Gegebenheiten meiner Tierhaltung.
Ebenso wird bis heute behauptet, ich hätte meine Tiere in Shows misshandelt oder zu Auftritten gezwungen. Tatsächlich fanden seit vielen Jahren keine klassischen Zirkus- oder Showauftritte mehr statt. Meine Arbeit bestand aus einer behördlich genehmigten, tiergerecht geführten Tierschau mit dem Ziel, Besucher über Tiger, ihr Verhalten und ihren Schutz aufzuklären. Die Beziehung zu meinen Tieren beruhte auf tiefem Vertrauen, täglicher Beschäftigung und verantwortungsvoller Betreuung.
Solche Behauptungen werden ungeprüft übernommen und weiterverbreitet, von Menschen, die meine Tiere, meine Arbeit und die tatsächlichen Verhältnisse vor Ort niemals selbst kennengelernt haben.
Wie weit diese oberflächlichen Vorverurteilungen inzwischen gehen, zeigt ein weiteres Beispiel. Es wird sich künstlich an der abgeblätterten Farbe meines ehemaligen Fuhrparks oder privater Abstellfahrzeuge hoch echauffiert und daraus ernsthaft der Schluss gezogen, meine Tiere seien nicht artgemäß gehalten worden.
Auf welcher sachlichen Grundlage soll ein solcher Schluss beruhen? Meine Tiger lebten nicht in diesen Fahrzeugen. Ein Tiger beurteilt sein Lebensumfeld weder nach der Farbe eines LKW noch danach, ob irgendwo Lack abblättert. Entscheidend sind seine tatsächlichen Bedürfnisse: Platz, Beschäftigung, Rückzugsmöglichkeiten, Wasser, Pflege, Versorgung und eine verantwortungsvolle Betreuung.
Wer aus einem oberflächlichen äußeren Eindruck ein Urteil über meine gesamte Tierhaltung ableitet, ohne die tatsächlichen Bedingungen zu kennen, nimmt keine sachliche Beurteilung vor.
Halten Sie einen Moment inne und fragen Sie sich ehrlich: Würden Sie wollen, dass man über Sie oder Ihre Familie auf diese Weise urteilt? Dass Gerüchte und Behauptungen genügen, um Ihren Ruf, Ihr Lebenswerk und Ihre Würde öffentlich zu zerstören?
Kritik ist das eine. Hass, Vorverurteilung und die gezielte seelische Vernichtung eines Menschen sind etwas vollkommen Anderes.
Was ich seit Monaten erlebe, empfinde ich als digitale Gewalt. Hass, Hetze, öffentliche Demütigungen und eine Flut an Vorverurteilungen. Das ist nicht mehr nur grenzüberschreitend diese Grenze wurde längst überschritten.
Kritik gehört zu einer offenen Gesellschaft. Doch Kritik endet dort, wo die Würde eines Menschen mit Füßen getreten wird.
Ich appelliere eindringlich an alle Menschen: Bewahren Sie Respekt, Fairness und Menschlichkeit. Urteilen Sie nicht, solange die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind. Prüfen Sie Informationen kritisch, statt Gerüchte und unbelegte Behauptungen weiterzutragen. Denn Worte haben Macht und jeder Einzelne trägt Verantwortung dafür, wie er sie einsetzt.
