Seit Monaten wird über mich, meine Tiger und die Ereignisse in Deutschland berichtet. Unzählige Schlagzeilen wurden veröffentlicht, Bilder gezeigt und Behauptungen verbreitet.

 

Doch warum stellt kaum jemand die Frage, wie es meinen Tigern heute tatsächlich geht?

 

Meine sechs Tiger wurden nach Villena in Spanien verbracht und befinden sich derzeit in Quarantäne. Gerade während dieser Zeit wäre es wichtig, sich ein eigenes Bild von ihrer Unterbringung und ihrer tatsächlichen Situation zu machen.

 

Deshalb frage ich:

Warum reist kein Fernsehteam und keine Redaktion nach Villena, um dort unabhängig zu recherchieren?

 

Journalismus sollte nicht nur darüber berichten, was geschehen ist. Journalismus sollte auch den weiteren Verlauf kritisch begleiten, nachfragen und überprüfen.

 

Mich interessieren unter anderem folgende Punkte:

 

  • Werden das Muttertier und die jungen Tiger gemeinsam gehalten oder voneinander getrennt?
  • Wie sind die Quarantänebereiche gestaltet und ausgestattet? Gibt es erhöhte Liegeflächen, Rückzugsmöglichkeiten sowie geeignete Boden- und Liegeflächen?
  • Stehen den Tieren Spiel-, Kratz- und Klettermöglichkeiten sowie weitere Beschäftigungs- und Reizangebote zur Verfügung?
  • Wie wird sichergestellt, dass gerade die jungen Tiger während der Quarantäne ausreichend Bewegung, Beschäftigung und geistige Anregung erhalten – wichtige Voraussetzungen für ihre Entwicklung und ihr Wohlbefinden?
  • Besteht während der Quarantäne die Möglichkeit, einen gesicherten Außenbereich zu nutzen, oder halten sich die Tiere ausschließlich in geschlossenen Bereichen auf?
  • Wie werden Reinigung und Pflege der Quarantänebereiche durchgeführt, ohne die Tiere unnötigem Stress auszusetzen?
  • Welche Möglichkeiten bestehen, die Tiger innerhalb der Anlage sicher von einem Bereich in einen anderen umzusetzen, beispielsweise für die Reinigung, Fütterung oder tierärztliche Untersuchungen?
  • Wie häufig werden die Tiere gefüttert, und werden sie dabei einzeln versorgt, damit sichergestellt ist, dass jedes Tier ausreichend Nahrung erhält?
  • Wie ist die ständige Versorgung mit frischem Wasser gewährleistet?
  • Wie erfolgt die tägliche gesundheitliche Kontrolle, und welche tierärztliche Betreuung erhalten die Tiere?
  • Wie wird angesichts der extrem hohen Sommertemperaturen in Südspanien für ein für Tiger geeignetes Klima gesorgt? Welche Möglichkeiten zur Abkühlung stehen ihnen zur Verfügung? Gibt es klimatisierte oder ausreichend belüftete Bereiche, Schattenplätze oder Zugang zu Wasser?
  • Wie wird das Verhalten der Tiere beobachtet und dokumentiert? Nach welchen Kriterien wird beurteilt, ob sie sich wohlbefinden oder Anzeichen von Belastung zeigen?
  • Welche Maßnahmen werden ergriffen, damit die Belastung für die Tiere während der Quarantäne auf das unvermeidbare Minimum reduziert wird?

 

Das sind keine Unterstellungen, sondern berechtigte Fragen. Wer ausführlich über die Wegnahme meiner Tiger berichtet hat, sollte ebenso darüber berichten, wie es ihnen heute tatsächlich geht.

 

Deshalb mein Appell an alle Medien:

Fahren Sie nach Villena. Recherchieren Sie vor Ort. Sprechen Sie mit den Verantwortlichen. Stellen Sie kritische Fragen. Machen Sie sich selbst ein Bild.

 

Genau deshalb kritisiere ich, dass bislang offenbar keine unabhängige journalistische Recherche vor Ort erfolgt ist.

 

Die Situation meiner Tiger in der Auffangstation der AAP in Villena muss mit derselben journalistischen Sorgfalt begleitet werden wie ihre Wegnahme.

 

Nur durch eigene Recherche, kritische Nachfragen und unmittelbare Eindrücke kann sich die Öffentlichkeit ein objektives Bild davon machen, wie meine Tiger heute tatsächlich untergebracht sind und wie es ihnen geht.

 

Kurze Videoausschnitte oder einzelne Momentaufnahmen können immer nur einen kleinen Ausschnitt zeigen. Sie ersetzen keine unabhängige Recherche vor Ort und lassen keine verlässlichen Rückschlüsse auf die tägliche Haltung, Versorgung und das Wohlbefinden der Tiere während der gesamten Quarantänezeit zu.

 

Gerade deshalb müssen Journalisten die Situation vor Ort unabhängig prüfen und dokumentieren – anstatt sich ausschließlich auf einzelne veröffentlichte Aufnahmen oder Aussagen Dritter zu verlassen.

 

Denn auch diese sechs Tiger verdienen es, dass ihre heutige Situation mit derselben Sorgfalt recherchiert wird, mit der über ihre Wegnahme berichtet wurde.